Erfolgreich gegen anonyme Onlinebewertung

Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg gibt unserem Mandanten gegen die Reddit Netherlands B.V. Recht (OLG Hamburg, Az. 7 W 27/26)

Negative Onlinebewertungen können für Unternehmen schnell zu einer erheblichen Belastung für Reputation und Geschäftsbetrieb werden. Das gilt insbesondere dann, wenn anonyme Beiträge den Eindruck eines authentischen Kundenerlebnisses vermitteln, ohne dass ein tatsächlicher geschäftlicher Kontakt nachvollzogen werden kann.

In einem aktuellen Fall aus unserer Kanzlei ist es uns gelungen, für ein Unternehmen aus der Immobilienberatung und dem Immobilienmanagement erfolgreich gegen eine solche Veröffentlichung auf Reddit vorzugehen.

Der Ausgangsfall

Ausgangspunkt war ein anonymer Beitrag auf Reddit, in dem unser Mandant in deutlicher Weise kritisiert wurde. Unter anderem wurde der Eindruck vermittelt, das Unternehmen arbeite intransparent, verursache unnötige Kosten und zeige nach Zahlungseingang deutliche Defizite in der Betreuung.

Die Bewertung war geeignet, potenzielle Kunden abzuschrecken und das Vertrauen in das Unternehmen nachhaltig zu beeinträchtigen. Besonders problematisch war dabei, dass der Beitrag wie ein echter Erfahrungsbericht wirkte, obwohl gerade nicht feststand, ob überhaupt ein tatsächlicher Geschäftskontakt zugrunde lag.

Unser Vorgehen im einstweiligen Rechtsschutz

Um eine weitere Verbreitung der Bewertung schnell zu unterbinden, haben wir für unseren Mandanten den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt. In diesem Verfahrensrahmen kommt es neben dem Bestehen eines Unterlassungsanspruchs auch darauf an, dass eine besondere Eilbedürftigkeit vorliegt, der sogenannte Verfügungsgrund.

Das Landgericht Hamburg wies den Antrag zunächst mit Beschluss vom 26.01.2026 zurück. Nach Auffassung des Gerichts handelte es sich im Wesentlichen um zulässige Meinungsäußerungen, sodass ein klarer Rechtsverstoß nicht ohne Weiteres festzustellen sei. Mit dieser Bewertung haben wir uns nicht zufriedengegeben und für unseren Mandanten konsequent die Beschwerde zum Hanseatischen Oberlandesgericht eingelegt.

Erfolgreiche Argumentation vor dem Oberlandesgericht

In der Beschwerdeinstanz vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg haben wir den Fokus gezielt auf einen entscheidenden Punkt gelegt. Die beanstandete Bewertung beruhte gerade nicht auf einem überprüfbaren tatsächlichen Geschäftskontakt.

Unser Mandant hatte bereits früh darauf hingewiesen, dass unklar sei, von wem die Bewertung stamme und ob überhaupt ein realer Bezug zu einem konkreten Projekt bestehe. Damit stellte sich nicht nur die Frage nach der inhaltlichen Zulässigkeit einzelner Aussagen, sondern bereits, ob die Bewertung als authentischer Erfahrungsbericht behandelt werden durfte.

Nach der einschlägigen Rechtsprechung trifft Plattformbetreiber eine Prüfpflicht, wenn ein Betroffener substantiiert rügt, dass ein solcher Kontakt nicht bestanden hat. Der Betreiber muss die Beanstandung ernsthaft prüfen und den Sachverhalt so aufklären, dass dem Betroffenen eine eigene Überprüfung möglich wird. Das Gericht stellte fest, dass Reddit Netherlands B.V. diesen Anforderungen nicht ausreichend nachgekommen ist. Eine nachvollziehbare Individualisierung des Verfassers der Bewertung erfolgte nicht.

Auch der Einwand der Gegenseite, es fehle an der für den einstweiligen Rechtsschutz erforderlichen Dringlichkeit, griff nicht durch. Das Oberlandesgericht stellte klar, dass das Vorgehen unseres Mandanten insgesamt ausreichend zügig war und die Eilbedürftigkeit nicht entfallen ist.

Die Entscheidung des OLG Hamburg

Mit Beschluss vom 31.03.2026 gab das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg unserer Beschwerde zum Aktenzeichen 7 W 27/26 statt und änderte die erstinstanzliche Entscheidung ab.

Der Plattform wurde untersagt, die beanstandete Bewertung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland weiter zu veröffentlichen. Zudem hat das Gericht die Kosten des Verfahrens vollständig der Gegenseite auferlegt.

Die Entscheidung verdeutlicht, dass Plattformbetreiber bei konkreten Hinweisen auf fehlende tatsächliche Grundlagen einer Bewertung nicht untätig bleiben dürfen. Unternehmen sind anonymen und potenziell geschäftsschädigenden Onlinebewertungen daher nicht schutzlos ausgeliefert.